Interview mit Revolution Design - Gründer Michael Vollmer
Racer sprach mit Michael Vollmer, bekannt geworden durch seine VITEC SYMBIOSIS 2WD Buggy-Prototypen und seine spätere Arbeiten bei Robitronic mit dem Elektro-Tourenwagen AVID und dem 1:18 Glattbahner SCALPEL, der nun seine eigene Design-Firma für RC-Car Produkte namens REVOLUTION DESIGN gründete.
RACER: Du hast im Juli Deine eigene Design-Firma gegründet. Warum dieser Schritt?
M.V.:Ich wollte mich einfach weiterentwickeln und unabhängig von nur einer Firma sein. Nun kann ich mich viel besser auf ein Projekt konzentrieren und bin nicht mehr abgelenkt von Dingen, die man sonst noch so erledigen müsste. Davon bin ich nun befreit und kann zu 100% meiner Design-Arbeit nachgehen.
RACER: Wie wird man eigentlich RC-Car-Designer?
M.V.: Ich habe schon damals während meiner Ausbildung zum Feinmechaniker ständig die CNC-Fräsmaschine meiner Lehrwerkstatt blockiert, um eigene Teile für meine Modelle zu machen. Zu dieser Zeit, so 1985 herum, war es fast üblich, an seinem Auto etwas zu machen, da die Technik damals noch nicht so ausgereift war, wie es heute der Fall ist. Außerdem hatte ich nur wenig Geld, mein Hobby zu betreiben. Da musste man sich schon etwas einfallen lassen, um schneller zu sein, als die anderen. Aber damals haben fast alle irgendwas eigenes ans Auto geschraubt. Das war keine große Sache. Eher selbstverständlich. Bei mir war es nur eben so, dass immer alle geglaubt hatten, ich hätte das entsprechende Teil gekauft, und nicht selbst gefertigt. Dass das oft auch nur reine Handarbeit war, gerade die Kohlefaser-Sachen, hat kaum einer erkannt.
Mein erstes bekanntes Modell war der VITEC-2WD Offroad-Buggy. Den ist Ralf Krause dann in den Neunziger Jahren gefahren. Dieses Modell habe ich so oft überarbeitet, dass es damals schon 5-6 verschiedene Versionen gab.Im Jahre 2000 dann habe ich noch mal alles komplett überarbeitet und Sönke Matz fuhr auf der DM in Dassel den VITEC direkt ins A-Finale. Man muss sich vorstellen, dass ich das Fahrzeug erst 3 Tage zuvor fertig bekommen hatte und nicht ein einziges Mal getestet wurde. Im Jahre 2002 sind wir dann zusammen zur WM nach Pretoria/Süd Afrika geflogen. Dort erregten wir schon etwas Aufsehen. Wir sind dann im C-Finale gelandet. Aus heutiger Sicht war das Ergebnis ganz okay. Und das ganze war natürlich ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu meiner heutigen Position.
RACER: Wird es bald einen VITEC 2WD zu kaufen geben?
M.V.: Nein. Das Auto ist nach heutigen Maßstäben total veraltet und der einzige Prototyp wurde vergangenen Sommer von Oliver Holczer total zerstört. Ich habe aber schon viele neue Ideen, um ein neuen 2WD Buggy zu machen. Vielleicht kommt ja mal eine Firma auf mich zu, um dieses Projekt zu realisieren. Ich selbst produziere ja keine Produkte.
RACER: Wie ging es dann mit Dir weiter?
M.V.: Danach erst mal gar nicht. Ich hatte damals die Firma verlassen, in der ich die Prototypen gefertigt hatte und musste mir einen neuen Job suchen. Der neue Job war mies und eine Werkstatt hatte ich auch nicht mehr. Das war eine sehr deprimierende Zeit damals. Ich dachte schon, aus mir wird nichts mehr.
Als alles nicht mehr zu ertragen war, habe ich mich entschlossen, meinen Techniker in Hamburg zu machen. Ein 2-jähriges Studium in Vollzeit. Dort lernte ich dann mit 3D Konstruktionsprogrammen zu arbeiten, was für mich vollkommen überwältigend war. Diese Programme sind mächtige Instrumente, um seiner Vorstellungskraft Formen zu geben.Um das Programm schneller verstehen zu lernen, habe ich einfach mit einem RC-Car Projekt angefangen. Purer Zufall, dass es ein Tourenwagen geworden ist. Der AVID.Über dieses Projekt habe ich übrigens meine Facharbeit geschrieben. Nach meinem Studium bin ich dann gleich mit meiner Frau und meiner Tochter nach Wien gezogen, um bei Robitronic anzufangen.
RACER: Wie war die Zeit in Wien?
M.V.: Wien ist eine schöne Stadt und ein wahres Paradies für alle RC-Car Fahrer. Dort gibt es unglaublich tolle und viele Strecken! Leider hatte ich kaum Zeit, um selbst zu fahren. Bei Robitronic habe ich viel gelernt. Die Abläufe, die notwendig sind, um an einem Projekt zu arbeiten. Das Testen der Prototypen und der Umgang mit den Teamfahrern war natürlich sehr wichtig für mich. Da es bei jedem Projekt immer Probleme gibt, muss man lernen, mit Rückschlägen fertig zu werden und daraus für das nächste Mal Rückschlüsse zu ziehen. Das war eine lehrreiche Zeit für mich.
RACER: Warum hast Du Robitronic verlassen?
M.V.: Ich hatte das Gefühl, dass ich mich unter den Umständen dort nicht mehr weiterentwickeln konnte. Ich hatte in Wien nicht wirklich Freunde und Hamburg, und um ehrlich zu sein, Deutschland fehlte mir.
RACER: Was machst Du jetzt zur Zeit?
M.V.: Im Moment arbeite viel für Serpent. Serpent möchte sich auch auf dem Elektro-Sektor gut aufstellen. Und ich habe die Erfahrung im Elektro-Bereich. Dort habe ich nun jede Menge zu tun.
RACER: Darfst Du uns mehr zu Deinen Serpent Projekten erzählen?
M.V.: Leider darf ich nicht viel verraten. Derzeit arbeite ich intensiv mit Markus Mobers und Gerd Strenge zusammen. Beide haben in ihren Bereichen einen enormen Erfahrungsschatz, den ich umzusetzen versuche. Beide sind großartige Persönlichkeiten und die Zusammenarbeit bereitet mir große Freude. Außerdem lerne ich natürlich jede Menge dazu.
RACER: Zeichnest Du nur RC-Cars, oder gibt es noch andere Bereiche, wo Du tätig bist?
M.V.: Es gibt ja so viele Produkte, die zum RC-Modellbau dazu gehören. Die zeichne ich natürlich auch. Beispielsweise Gehäuse für Regler/Ladegeräte, Werkzeug, Zubehör und Tuningteile. Ich kann mir natürlich auch vorstellen, vollkommen branchenfremde Dinge zu zeichnen. Beispielsweise Verpackungsdesign, oder Mountainbikes, oder vielleicht Möbel.Da Design oft eine vollkommen intellektuelle Arbeit ist, kann man sich schnell in andere Aufgabenstellungen einarbeiten. Da gibt es keine Grenzen, außer vielleicht die, der Vorstellungskraft.
RACER: Aber Design ist nicht alles. Um ein RC-Car zu konstruieren, braucht man ja auch Wissen.
M.V.: Sicher! Erfahrung ist extrem wichtig. Wissen hilft. Ich fahre ja nun schon seit 20 Jahren Rennen. Und ich lerne bei jedem Rennen erneut dazu. Leider sind viele Effekte oft nur schwer zu erklären, warum sich ein Auto so, oder so verhält. Man kann auch nichts wirklich allgemeingültiges über Fahrwerkstechnik erwarten. Jedes Modell hat einen eigenen Charakter. Da gibt es zu viele Faktoren im System Auto, die sich gegenseitig beeinflussen. Man kann immer nur versuchen, das jeweilige Auto zu untersuchen und Schritt für Schritt zu verbessern.
RACER: Was planst Du für die Zukunft?
M.V.: Hauptsächlich hoffe ich natürlich erst mal auf viele Aufträge. Später möchte ich die Firma so sehr erweitern, um mit weiteren Designern und Technischen Zeichnern zusammen zu arbeiten. So kann man den Herstellern einen Komplett-Service anbieten. Vom Konzept über das Design, Bauanleitung, Grafiken bis hin zur Verpackung. Alles aus einer Hand.
RACER: Und wie sieht die Zukunft des RC-Modellsports aus?
M.V.: Viele fragen sich heute, was an den heutigen RC-Cars noch zu verbessern wäre. Ich sehe das ganz anders. Es gibt noch so vieles zu verbessern! Über die Elektro-Tourenwagenklasse mache ich mir echt Sorgen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird vielen der Spaß vollends vergehen und es wird dann zu einer Eliteklasse, wie in der Formel 1. Vielleicht werden die Leute wieder vermehrt Buggy fahren. Auch 1:12 Glattbahner sind wieder stark im Kommen. Den Leuten muss klar sein, dass wieder der Spaß im Vordergrund stehen muss und nicht die Technik. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass vollkommen neuartige Fahrzeugkonzepte die Zukunft sind. Die Hersteller überhäufen den Markt mit immer gleichen Fahrzeugen und Produkten. Schade, dass sie sich nicht trauen, mal etwas vollkommen anderes zu machen. Für mich sind das verpasste Chancen, sich von der Allgemeinheit abzuheben und etwas Einmaliges anzubieten.