Elektro-Offroad im Norden und der MAC Burgdorf sind seit Jahren zwei fest miteinander verwobene Begriffe. Auch 2008 stellten die Burgdorfer erneut die Begegnungsstätte für den Saison-Auftakt bei bestem Offroad-Wetter
Eigentlich ist es schon fast Tradition, dass sich alle Elektro-Offroad-Fun-natiker Anfang Mai in Burgdorf zum Saisonauftakt einfinden. Fast immer garantiert nämlich der so genannte „Wonnemonat“ die besten Fahrmöglichkeiten. Bestes Wetter ist garantiert, die Temperaturen sind optimal und der Juni und Juli im Norden der Republik eh meistens verregnet. Sogesehen fieberten schon alle dem ersten Lauf zur Sportkreismeisterschaft entgegen und auch wenn die Teilnehmerzahlen etwas hinter den Erwartungen zurückblieben, sorgte die stets entspannte Atmosphäre in der beschaulichen Stadt nahe Hannover für das altbekannte „Offroad-Wohlgefühl“.
Neue Gesichter
Neben den altbekannten Gesichtern der vergangenen Jahre traten diesmal auch einige prominente Neuzugänge auf den Plan. Allen voran Schumacher/CS-Teamfahrer Christian Schamp, der sich mit einem „Leih-Wirbelsturm“ unter die 4WD-Modified-Menge mischte und sein erstes Offroad-Rennen seit vielen Jahren bestritt. Gerne hätte er den neuen Schumacher SX 4WD-Buggy eingesetzt – dieser wurde jedoch nicht rechtzeitig zum Rennen fertig, sodass er auf einen nagelneuen Leihwagen von „Birnbaum & Co.“ zurückgreifen musste.
Ebenfalls mit geliehendem Gerät unterwegs war Tim „Ist-doch-alles-heile-geblieben“ Benson. Seines Zeichens selbsternanntes Tourenwagen-As der Gruppe Nord haderte jedoch etwas mit der Stecke und vor allem den enthaltenen Hindernissen.
Noch mehr Offroad
Für die neue Saison hatte Offroad-Referent Marcel sich eine neue Gemeinheit zur allgemeinen Steigerung des „Fun-Gefühls“ ausgedacht. Mitten auf der Geraden platzierte er einen Doppelsprung der, komme was wolle, in einem Zug genommen werden musste, um wirklich schnell zu sein. Das Durchfahren war nicht vorgesehen, auch wenn einige Standard-Fahrer dies am Finalsonntag zu praktizieren mussten, denn nur bei wiklichem Druck im Akku und optimalem Anfahren konnte man das Hindernis überspringen. Alle andere haderten zunächst mit einem nicht wirklich gelungenen Absprungbereich, denn die Kannte des ersten Sprungs war zu uneben, als dass man kontrolliert hätte springen können. Wer zu weit rechts anfuhr, riskierte sogar eine 180-Grad-Drehung um die eigene Achse. Abhilfe schaffte das Aufbringen einer Platte, welche die Oberfläche glättete und einen sauberen Abschluss schaffte. Danach war der Sprung nur noch eine Frage des richtigen Timings und einer Portion Glück.
Noch aus dem Vorjahr bekannt war der Table-Top an prominenter Stelle direkt unter dem Fahrerstand. Sorgfältig aufgebaut war er diesmal einfacher zu springen als in der vergangenen Saison, dafür hielt aber die ausgefahrene Landezone einige Überraschungen bereit. Wer zu weit sprang, knallte mit dem Heck in die Kuhle und wurde ausgehebelt. Besser war da schon das punktgenaue Landen im Absprung, den man dann nur noch herunterrollen musste.
Klein aber fein
Das Fahrerfeld präsentierte sich klein aber fein. So schaffte es unter anderem Dauergast Erik Geldner nach Burgdorf – angeblich angelockt von seiner besseren Hälfte. In Wirklichkeit jedoch wollte er nur ein kleines Geheimtraining für die Offroad-Masters in Köngen Ende Mai einlegen, die wohl auf Kunstrasen ausgetragen werden. Schmerzlich vermisst haben wir in diesem Monat unsere Berliner Freunde um Ebi Beck, die es leider nicht nach Burgdorf schafften. Vielleicht ja im kommenden Monat.
Die Jagd beginnt
Angesichts der leider nur geringen Teilnehmerstärke pro Klasse sollten die Vorläufe eigentlich entspannt von statten gehen, aber die Burgdorfer entscheiden sich dafür, die Finale mit acht Fahrern zu gestalten, sodass es um den Einzug ins 2WD- und 4WD-Modified-A-Finale dennoch knapp wurde.
Klar waren die Platzierungen in 2WD Standard und 4WD Standard, denn Mirko Johne war der einzige Teilnehmer in 2WD und Marco Heinrich, Pascal Sturm und Markus Bauer machten die 4WD-Positionen unter sich aus.
Um den Einzug ins 2WD Modified-A-Finale bangen mussten Marco Eymer, Timm Upmeier und Markus Frost, die es dann auch nicht unter die Top8 schafften.
In 4WD-Modified gesellte sich Thomas Oehler zu einem ausgelassen fahrenden Tim Benson, der sich sein erstes 4WD-Rennen wohl anders vorgestellt hatte. Er trieb seinen Leih-LOSI-XXX4 dermaßen vehement um den Kurs, dass er (der LOSI) ein ums andere Mal die weiße Fahne nach oben reckte in der Hoffung, Tim würde endlich vom ihm ablassen.
Somit ergab sich folgende Finaleinteilung:
2WD ModifiedPosFahrer
1Erik Geldner
2Markus Blonn
3Marcel Felzmann
4Mirko Johne
5Michael Vollmer
6Sebastian Sürstedt
7Angelo Lehmann
8Thorsten Müller
4WD Modified
1Markus Bauer
2Christopher Krapp
3Marcel Felzmann
4Christian Schamp
5Marco Heinrich
6Ulrich Upmeier
7Ursus Lieder
8Hans-Joachim Krapp
Finale
In den Finalen mussten sich die „Vier-M-Doppelstarter“ Mirko Johne, Marco Heinrich, Markus Bauer und auch Marcel Felzmann auf ordentlich Streß gefasst machen. Mirko Johne brauchte nach der Qualifikation für 2WD Standard keine Runde im Finale mehr zu fahren und konzentierte sich voll auf 2WD Modified.
In 4WD Standard konnte ich Marco Heinrich vor Pascal Sturm und Markus Bauer durchsetzen. Markus fuhr nur ein Finale, das er auch überlegen gewann und konzentrierte sich darauf hin lieber auf die Modified-Klasse.
Michael Vollmers RC10 Worlds Car in Aktion!
In 2WD-Modified versuchte Markus Blonn als einer der wenigen LOSI-Fahrer Thunder Tiger-Teamfahrer Erik Geldner einzuheizen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Nach einem Ausfall im ersten und zwei zweiten Plätzen in den nachfolgenden Finalen blieb ihm nur die „2“ als Endresultat gefolgt von Marcel Felzmann.
4WD Modified war ein klarer Fall für Markus Bauer, der sich im ersten und zweiten Finale durchsetzen konnte, was allerdings auch begünstigt durch den Ausfall von Krissi Krapp war, der auf der langen Geraden im ersten Finale eine Begegnung mit einem Bären hatte. Der daraus resultierende Wildschaden am Fahrzeug wurde zwar schnell behoben, der Mechaniker, der für den verkehrten Einbau eines vorderen C-Hubs verantwortlich zeichnete, wurde aber nach aktuellen Agenturberichten mittlerweile zum Kaffeekochen verdonnert. Erstaunlicherweise schaffte es Krissi mit einem fünften und einem ersten Platz dennoch auf Gesamtrang drei.
Tourer goes Wild!
Immer mehr Tourenwagenfahrer bekennen sich zum Elektro-Offroad. Hier Schumacher England-Teamfahrer Christian Schamp mit dem seinen Leih-Wirbelsturm. Cross-Promotion at it´s best! Christian resumierte nach dem Rennen: “Off-Road ist hart.“ Wir sagen: Stimmt!
Allerdings gab es auch einen bekannten Tourenwagenfahrer (Name ist der Redaktion bekant), der trotz vollmündiger Ankündigungen überhaupt nicht im Offroad zurecht kam und sich ordentlich den Hintern versohlen lassen musste.
Personen
Chrissi Krapp bewegte das erste mal einen Kyosho Lazer ZX-5 SP in der 4WD-Klasse. Um es kurz zu machen: Chrissi war wieder mal unauffällig effizient schnell, aber die Technik streikte etwas – auch bedingt durch einen Wildunfall im Finale. Papa Krapp fuhr einen Tamiya Durga und hatte weniger Probleme.
Marco Heinrich fuhr 4WD Standard und Modified mit. Soweit, so gut. Nur bewegte er seinen Hot Bodies D4 in beiden Klassen mit einem 27-Turn-Standard-Motor und konnte trotz extremer Power-Unterlegenheit den vierten Platz in Modified belegen. Hut ab, Herr Heinrich!
Mirco Johne konnte nach seinem Burgdorf-Indoor-Masters-Debakel nun zeigen, was in ihm (und seinem GM-Brushless-Standard-gepowerten X-Factory X-6) steckt. Guter Vierter nach den 2WD-Modified-Finalen! Geht doch!
Der frisch verheiratete Markus Bauer konnte seinen Associated B44 souverän zum Sieg führen, obwohl er den ganzen Tag am Getriebe schrauben musste.
Team MOOH Fahrer Michael Vollmer und Racer & Fun-Redakteur Sebastian Sürstedt setzten auf ihre restaurierten Original Associated RC10. Mit den 15 beziehungsweise 18 Jahre alten Kisten konnten sie auch auf Gras zeigen, dass weder Fahrer, noch Fahrzeug zum alten Eisen gehören! Platz 5 und 6 nach den Vorläufen sorgten für einige Irritationen unter den Fahrern aktueller Buggys.
Auch Erik Geldner gehört offensichtlich nicht zum alten Eisen. Er setzte seinen Asso B4 souverän auf P1. Herzlichen Glückwunsch!
Wer hat die coolste Brille?
Brushless kontra Sommerhitze
Viele Fahrer setzten wie selbstverständlich auf Brushless-Systeme. Leider gab es durch die hohen sommerlichen Temperaturen gehörige Probleme mit überhitzten Reglern und Motoren. So konnten einige Fahrer in 4WD nur sehr milde BL-Motoren einsetzen (7.5T), weil stärkere Motoren schlicht überhitzten. Der Leistungsunterschied der Fahrer war übrigens extrem unterschiedlich. Die meiste Power auf der Burgdorfer Graspiste hatte wahrscheinlich Michael Vollmer mit seinem RC10. Er setzte sogar nur einen fünfzelligen Boomerang EP 4600-Akku mit LRP Sphere-Regler und LRP 5.5T Motor ein.
Interessant waren die Fahrversuche von Marcel Felzmann und Mirko Johne mit den neuen GM-Racing 13.5T-Brushlessmotoren (im roten Gehäuse). Hier ihre Eindrücke:
Marcel: “Einen Akku habe ich mir mit dem 4WD gegönnt. Die Übersetzung war eher konservativ mit 8:1, Graupner gibt bis 7:1 an, Mirko ist im 2WD 6:1 gefahren. Einen direkten Eindruck im Vergleich zum 27 Turn (brushed) kann ich nicht geben, das letzte Mal 4WD Standard war 2004, damals schon ziemlich schnell übrigens. Beim 13.5T waren Speed und Beschleunigung in Ordnung. Nach dem Akku hatte der Regler 35 Grad Celsius und der Motor 50 Grad Celsius – da geht bestimmt noch viel mehr. Fazit: fährt sich geschmeidig (Kombination Nosram-Regler und Graupner-Motor), Leistung ist gut und macht mir auch Spass, also nicht zu langsam, könnte man eigentlich immer fahren ... Ich werde nach und nach noch 2WD und Monster antesten, für den Hobbyfahrer, der auch mal einen SM-Lauf fahren will, ist der 13.5T eine pflegeleichte Alternative. Demnächst bekomme ich noch den LRP 13.5T, mal sehen was der so kann.”
Mirko: “Gefahren bin ich den 13.5T von Graupner (rot), da er als einziger lieferbar war. Ich hätte lieber den GM 13.5T (blau) genommen, denn er hat einen kleineren Rotor als der Graupner, was bedeutet, dass er sanfter unten rum ist und mehr Drehzahl obenrum produziert. Bin ja noch nie 27 Turn gefahren, aber Markus Bauer ist auch mal zwei Runden gefahren und er berichtete, dass der Brushless mehr Druck vor allem unten aus den Ecken raus hat. Übersetzung hatte ich so ziemlich genau 1:6. Temperatur war noch o.k., aber ohne meinen zusätzlichen Lüfter wird das eng. Mit ihn hatte er so etwa 60 bis70 Grad Celsius nach dem Lauf – war also noch im grünen Bereich. Akku und Regler waren kalt bis lauwarm, die Strombelastung ist also sehr gering.“
Personize your car! Um sich im allgemeinen Einheitsbrei abzuheben, wird kein Aufwand gescheut, seinen Namen ins rechte Licht zu rücken. Hier coole Sticker am Pulsar-Lader und Name auf der Funke.
Das Outfit stimmt! Marco Heinrich standesgemäß mit lässiger Sonnenbrille und dazu passendem Gewand. Wer sich auch sein Custom-Shirt machen lassen will: www.mahei.org
Gegen den Trend. Bild vorne: Kollektor-Abdrehen ist doch so uncool! Bild hinten: Die Mode des nicht genannt wollenden Menschen ohne abgebildeten Kopf hat offensichtlich einen nicht so ganz sicheren modischen Auftritt
Marcel Felzmann bleibt LOSI und seinem Indiana-Jones-Outfit in der Burgdorfer Wildnis treu
Sebastian Sürstedt und Michael Vollmer setzten diese RC10´s erfolgreich ein. Oldschool rules!